Top 10 Burgen und Schlösser in den Niederlanden
Die Niederlande sind nicht das erste Land, das man mit Burgen verbindet, und doch haben sie eine reiche Burgentradition. Das flache Land zwang die Architekten des Mittelalters zu einem anderen Ansatz: Statt Höhenlage dienten Wassergräben und Sumpfland als Verteidigungslinien. Das niederländische Wasserschloss ist eine eigenständige Gattung — kompakt, symmetrisch, von Graben und Deich umgeben. Auf der Karte lassen sich alle Anlagen erkunden.
1. Muiderslot, Muiden
Muiderslot ist das Vorzeigeschloss der Niederlande: ein vollständig erhaltenes mittelalterliches Wasserschloss aus dem späten 13. Jahrhundert, mit vier runden Ecktürmen, Zugbrücke und von einem Wassergraben umgeben. Die erste Burg am gleichen Ort ließ Graf Floris V. von Holland um 1285 erbauen; er wurde 1296 in seiner eigenen Burg ermordet, als Adlige, die seiner frankenfreundlichen Politik widerstanden, ihn entführten. Das heutige Gebäude entstand um 1370 unter Graf Albrecht von Bayern.
Muiderslot liegt am Ausfluss der Vecht in das IJmeer, etwa 15 Kilometer östlich von Amsterdam. Per Fahrrad ist es über den Muizerberg-Radweg in etwa einer Stunde erreichbar — eine der beliebtesten Tagestouren aus der Hauptstadt. Die professionellen mittelalterlichen Führungen mit Bogenvorführungen und Falknerei machen es zum familienfreundlichsten Ausflugsziel der Region. Die Eintrittspreise liegen im mittleren Bereich; Voranmeldung ist besonders an Wochenenden empfohlen.
2. Kasteel De Haar, Utrecht
Kasteel De Haar nahe Haarzuilens, westlich von Utrecht, ist das größte und prächtigste Schloss der Niederlande. Das mittelalterliche Original war eine Ruine, als der Architekt Pierre Cuypers — Schöpfer des Rijksmuseums und des Hauptbahnhofs Amsterdam — zwischen 1892 und 1912 im Auftrag von Baron Etienne van Zuylen van Nijevelt van de Haar den vollständigen Neubau im neugotischen Stil leitete. Der Baron ließ das gesamte Dorf Haarzuilens abtragen und an anderer Stelle neu aufbauen, um Platz für den 135 Hektar großen Schlosspark zu schaffen.
Das Innere ist außerordentlich reich: flämische Gobelins, mittelalterliche Möbel, Porzellan und Gemälde, die die Zuylen-Familie über Generationen gesammelt hatte. De Haar ist per Fahrrad von Utrecht in etwa 45 Minuten oder per Bus erreichbar. Im Sommer öffnet der Park bereits früh; das Schlossgebäude hat eingeschränktere Besuchszeiten, Voranmeldung ist ratsam.
3. Slot Loevestein, Gelderland
Loevestein steht auf einer Landzunge am Zusammenfluss von Maas und Waal, unweit von Gorinchem. Die mittelalterliche Turmburg aus dem 14. Jahrhundert wurde später als Staatsgefängnis bekannt. Ihr berühmtester Gefangener war Hugo Grotius — der Begründer des modernen Völkerrechts —, der 1619 wegen seiner Rolle in den arminianischen Religionsstreitigkeiten inhaftiert wurde. Seine Frau Maria van Reigersberch schmuggelte ihn 1621 in einer Bücherkiste heraus; die Kiste ist noch heute im Schloss ausgestellt.
Die Burg ist nur per Fähre erreichbar, was ihren ursprünglichen Inselcharakter als Verteidigungsanlage bewahrt. Die nächste Anlegestelle liegt bei Woudrichem; von Gorinchem fahren Ausflugsboote. Die Besichtigungssaison läuft von April bis Oktober; im Winter sind Gruppen nach Absprache willkommen.
4. Paleis Het Loo, Apeldoorn
Het Loo war Residenz und Jagdschloss des Hauses Oranien-Nassau vom späten 17. Jahrhundert bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Wilhelm III., Statthalter der Niederlande und König von England und Schottland, ließ es ab 1686 nach Entwürfen von Jacob Roman errichten. Der formale Barockgarten nach französischem Vorbild, mit Parterres, Fontänen und langen Alleen, wurde nach langer Vernachlässigung aufwendig restauriert und 1984 wiedereröffnet.
Het Loo veranschaulicht die politische Botschaft des Hauses Oranien — Macht durch repräsentative Architektur — in einem verhältnismäßig nüchternen, protestantischen Stil. Königin Wilhelmina bewohnte das Schloss bis 1962; seitdem ist es staatliches Museum. Apeldoorn ist mit dem Intercity von Amsterdam in etwa einer Stunde erreichbar; vom Bahnhof verkehren Busse zum Schloss.
5. Kasteel Radboud, Medemblik
Radboud in Medemblik ist eine mittelalterliche Wasserburg an der ehemaligen Zuiderzee-Küste, heute am Rand des IJsselmeers. Graf Floris V. von Holland — derselbe, der Muiderslot erbauen ließ — errichtete Radboud Ende des 13. Jahrhunderts als Teil einer Küstenverteidigungskette gegen die Westfriesen. Floris V. wurde 1296 ermordet, bevor die Burg fertiggestellt war.
Drei der ursprünglichen Türme und Teile der Ringmauer sind erhalten — ein seltenes Beispiel hochmittelalterlicher Küstenbefestigungsarchitektur in den Niederlanden. Medemblik ist per Dampfbahn von Hoorn aus erreichbar (eine historische Eisenbahn, die die Enklave IJsselmeer umfährt); die Kombination beider Attraktionen ist ein beliebter Ausflug für Familien. Der Eintritt ist günstig; der Blick von den Türmen über das IJsselmeer ist eindrucksvoll.
6. Kasteel Doorwerth, Gelderland
Doorwerth, im Veluwe-Waldgebiet an der Unterrheinseite nahe Arnhem, ist eine von Wassergräben umgebene mittelalterliche Burg, die im 16. Jahrhundert mit Renaissance-Elementen ausgebaut wurde. Das Schloss erlitt im September 1944 beim Gefecht um Arnhem schwere Schäden, wurde jedoch nach dem Krieg akkurat restauriert. Heute beherbergt es das Niederländische Jagd- und Wildmuseum.
Die Waldlage am Rheinufer, der zugängliche Schlosspark und die Möglichkeit, von Arnhem aus mit dem Fahrrad anzureisen, machen Doorwerth zu einem ungewöhnlich naturnahen Burgbesuch. Arnhem hat gute Bahnverbindungen von Utrecht und Nijmegen.
7. Slot Ammersoyen, Noord-Brabant
Ammersoyen an der Maas bei Ammerzoden ist eine der vollständigsten erhaltenen mittelalterlichen Wasserschlossanlagen der Niederlande: ein quadratischer Baukörper mit vier zylindrischen Ecktürmen, einem Bergfried und einem doppelten Wassergraben. Die Burg entstand im frühen 14. Jahrhundert für die Familie Van Amstel. Sie wurde mehrfach zerstört und wiederaufgebaut; das heutige Gebäude geht auf eine sorgfältige Restaurierung des frühen 20. Jahrhunderts zurück.
Die Kombination aus der quadratischen Anlage, dem doppelten Graben und dem vollständig erhaltenen Bergfried macht Ammersoyen zu einem Schulbeispiel des niederländischen Wasserschlosses. 's-Hertogenbosch, die Provinzhauptstadt, liegt etwa 15 Kilometer entfernt und ist von Utrecht oder Eindhoven per Bahn erreichbar.
8. Slot Zuylen, Utrecht
Slot Zuylen, am Vecht-Fluss nördlich von Utrecht nahe Oud-Zuilen, ist ein Wasserschloss aus dem 13. Jahrhundert, das im 17. und 18. Jahrhundert zu einem eleganten Herrensitz umgebaut wurde. Der Bau ist vor allem mit Belle van Zuylen verbunden — der Schriftstellerin Isabelle de Charrière (1740–1805), eine der ersten bedeutenden niederländischsprachigen Autorinnen —, die hier aufwuchs und deren Schreibzimmer erhalten ist.
Das Schloss ist klein, aber außerordentlich gut erhalten; die Innenräume zeigen die typische Wohnkultur einer wohlhabenden holländischen Familie des 18. Jahrhunderts. Geführte Touren können auf Niederländisch und Englisch gebucht werden. Utrecht ist mit dem Fahrrad in 20 Minuten erreichbar.
9. Valkhof, Nijmegen
Das Valkhof in Nijmegen, auf einem Hochufer über dem Waal, war Standort einer der bedeutendsten Kaiserburgen des mittelalterlichen Reiches. Karl der Große errichtete hier eine Pfalz; Kaiser Barbarossa baute sie im 12. Jahrhundert aus. Die Anlage wurde 1796 größtenteils abgebrochen, aber zwei Fragmente blieben erhalten: die Chapelle Sint-Nicolaas, eine der ältesten romanischen Kapellen der Niederlande, und das Überbleibsel des romanischen Chorumgangs der Barbarossa-Kapelle.
Das Valkhof-Museum am selben Hügel zeigt Funde aus der römischen Siedlung Ulpia Noviomagus — Nijmegen war die älteste Stadt der Niederlande — sowie mittelalterliche Kunstgegenstände. Die Lage über dem Waal, mit Blick auf die historische Brücke, die im September 1944 von Bedeutung war, macht das Valkhof zum historisch dichtesten Stadtpunkt der Niederlande.
10. Kasteel Cannenburgh, Gelderland
Kasteel Cannenburgh in Vaassen, östlich von Apeldoorn in der Veluwe, ist ein Renaissance-Wasserschloss aus dem 16. Jahrhundert mit zwei Türmen, einem von Wasser umgebenen Innenhof und einem reich ausgestatteten Interieur. Das Schloss ging durch mehrere Adelsfamilien; die Stiftung Vrienden der Geldersche Kasteelen öffnet es für Führungen.
Was Cannenburgh auszeichnet, ist die Unversehrtheit seines historischen Interieurs: Möbel, Gobelins, Porzellan und Küche stammen überwiegend aus dem 17. bis 19. Jahrhundert und wurden nie durch Modernisierungen oder Kriegsschäden grundlegend verändert. Apeldoorn, der nächste Bahnhof, ist per Bus oder Fahrrad erreichbar.
Planungshinweise für die Niederlande
Muiderslot und Het Loo sind die beiden Pflichtbesuche und beide bequem von Amsterdam beziehungsweise Utrecht aus erreichbar. Loevestein ist der malerischste Umweg — die Fähranreise ist Teil des Erlebnisses. Die niederländische Burgdichte ist hoch; die meisten Schlösser öffnen von April bis Oktober, einige ganzjährig. Ein Museumskaart deckt den Eintritt vieler Anlagen ab und amortisiert sich schnell. Fahrräder sind in den Niederlanden das natürliche Verkehrsmittel für Burgtouren.
Auf der Karte erkunden
Alle niederländischen Anlagen auf der Karte öffnen. Die Konzentration entlang der Flüsse Rhein, Maas, IJssel und Vecht zeigt die mittelalterliche Siedlungsachse des Landes.